gehalten auf der Abschlusskundgebung

Fußball und Nationalismus

Die Männerfußball WM ist eines der wichtigsten sportlichen Großereignisse in der bürgerlichen Gesellschaft. In der Frage, welche Bedeutung dieses Event für den_die Einzelne_n hat gehen die Meinungen jedoch auseinander. Vor allem, für viele Jugendliche ist die WM schlicht ein willkommener Anlass zum Feiern, für andere leistet sie einen Beitrag zur Völkerverständigung und wieder andere sehen darin die Gelegenheit sich vom „historischen Ballast“ der deutschen Geschichte zu befreien. Gemeinsam ist all diesen verschiedenen Positionen jedoch ein mehr oder minder starkes nationales Moment. Die Aussage die WM sei als Sportveranstaltung unpolitisch und damit losgelöst von den Zuständen der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft zu betrachten ist also unhaltbar. Dies wird vor allem deutlich, wenn auch vermeintlich linke Intellektuelle wie Günther Grass die WM 2006 als Erfolg feiern, da hier „die Deutschen endlich wieder ein unverkrampftes Verhältnis zu ihrer Nation hätten.“ Grass formuliert hier einen entscheidenden Punkt der Bürgerlichen Ideologie, nämlich die Differenzierung in guten und schlechten Nationalismus. Wobei mit gutem Nationalismus derjenige gemeint ist, der von bürgerlicher Seite selbst propagiert wird und als schlechter der Nationalismus, der von rechtsradikalen Spektren affirmierte.
Die genannte Differenzierung innerhalb nationalen Denkens wirft jedoch die Frage auf was Nationalismus den überhaupt ist. Eine simple Definition, wie sie in jedem Geschichtslehrbuch steht definiert Nationalismus als ein Bekenntnis zur gemeinsamen Kultur, Sprache und Herkunft. Werden diese willkürlichen Kriterien als Einordnungsmerkmal für eine bestimmte Nation anerkannt bedeutet Nationalismus also sich in das Kollektiv all derer ein zu ordnen, die sich auch diesen Kriterien unterwerfen. Die Einordnung in dieses nationale Kollektiv sprich der Volksgemeinschaft gilt den aller meisten Nationalisten als etwas absolut natürliches. Das Bekenntnis zur „eigenen Nation“ ist jedoch immer ein Akt der Ausgrenzung des vermeintlich Anderen. Jeder Bezug auf das „eigene Volk“ grenzt sich damit vom „volksfremden“ ab. In dem Neonazis alles was nicht dem eigenen nationalen Kollektiv zuzuordnen ist als „volksfremd“ ablehnen, was bis hin zur offenen Aggression gehen kann, denken sie die Logik des Nationalismus also nur logisch zu Ende. Die Unterscheidung in guten und schlechten Nationalismus ist also falsch. Richtiger wäre die Unterscheidung in einen konsequenten (sprich rechtsradikalen) und inkonsequenten (sprich bürgerlichen) Nationalismus. Das soll nicht bedeuten, dass alle Bürger als Nazis zu bezeichnen sind, wohl aber Nazis als radikale Bürger.

Nationalismus ist allgemein und überall ab zu lehnen. Dennoch hat er speziell in Deutschland eine ganz besondere Dimension. Denn das Bekenntnis zur deutschen Nation schließt immer auch das mit ein was aus dieser Nation hervorgegangen ist. Der „neue deutsche Patriotismus“ trägt mit dazu bei, die Meinung man müsse einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen und wieder stolz auf „sein Land“ sein können in weiten Teilen der Gesellschaft zu verbreiten. Doch wo Geschichte vergessen wird ist der Schritt hin zu deren Leugnung nicht mehr weit. Den Pogromen von Lichtenhagen, Hoyerswerda usw. ging der wiedererstarkende deutsche Nationalismus nach dem Ende der DDR voraus. Auch das durch die WM 06 und „Du bist Deutschland“ Kampagne geförderte „Neue Wir Gefühl“ ging mit einem Anstieg rechter Gewalt einher, dem während der WM Dönerbuden, Pizzerien und allem, was der deutsche Mob irgendwie als „volksfremd“ identifizierte zum Opfer vielen. Während der WM 06 wurde farbigen Menschen sogar von der Regierung geraten sich nicht nach Ostdeutschland zu begeben.
Wo Deutschland sich selbst feiert wird Geschichte vergessen und wiederholt, reaktionäre Strömungen und Neonazis erhalten mehr Gewicht und eine ideale Ausdrucksplattform.

Dem gilt es einen klaren Linksradikalen Kontrapunkt zu setzen.
Kein Frieden mit Deutschland und seinen Freunden