(gehalten auf der Auftaktkundgebung)

Fußball und Sexismus

Zum integralen Bestandteil bürgerlicher Ideologie gehört nicht nur die Identifikation mit der Nation. Auch die als natürlich und damit als moralisch gut angesehene Einteilung verschiedenster Menschen in genau zwei Geschlechter und das Pressen Selbiger in bestimmte Rollenbilder sind Teil dieser Ideologie.
Damit ist ihr Entstehungs- und Reproduktionsort bereits in der sogenannten Mitte der Gesellschaft angesiedelt. Allerdings durchdringen daraus aufgebaute Denk- und Verhaltensmuster die gesamte Gesellschaft bis in den letzten Winkel und damit auch jede und jeden von uns.

Diese Tatsache macht das sexistische Klima allgegenwärtig; eine bipolare Kategorisierung von Mann und Frau wird vorgegeben von der bestehenden Gesellschaftsordnung. In Folge dieser Kategorisierung – die als Solche bereits höchst repressiv ist – können Menschen, deren biologisches Geschlecht sich dieser Kategoriesierung entzieht nicht geduldet werden. So werden zum Beispiel Intersexuelle, deren Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig zuzuordnen sind, in frühester Kindheit der einen oder anderen Richtung angepasst. Es werden also Menschen gewaltsam in binäre Muster eingepasst, anstatt auch nur auf die Idee zu kommen, diese Ideologie zu reflektieren oder sie gar – angesichts der Bandbreite menschlichen Lebens – als falsch zu verwerfen.

Doch damit nicht genug. Sind Menschen erst einmal in der vermeintlich passenden Schublade verpackt, werden ihnen bestimmte Eigenschaften und daran orientierte Rollenbilder zugeschrieben. Bei als Frauen konstruierten sind das Dinge wie Sanftheit, Irrationalität, Fürsorglichkeit. Aus letzterer Eigenschaft wird abgeleitet, sie sei dazu da oder prädestiniert, für den Mann da zu sein oder die Kinder und den Haushalt zu versorgen. Dem, der in dieser Logik als Mann gilt, wiederum werden Merkmale wie Durchsetzungsvermögen, Rationalität und Kampfgeist nachgesagt, wodurch er wie selbstverständlich die dominante Rolle in Gesellschaft und Beziehung einnehmen muss.

Diese Eigenschaften liefern auch das Fundament für Aussagen wie „Frauen können keinen Fußball spielen“ und hätten daher dort auch nichts zu suchen. Auch „Schwule“ haben mit diesem Vorurteil zu kämpfen, da ihnen ähnliche Eigenschaften wie Frauen zugeschrieben werden. Für andere Sportarten gilt Ähnliches, da ihnen, wenn sie von Frauen ausgeübt werden, kaum Beachtung geschenkt wird.

Das Ganze schränkt nicht nur die Freiheit von einzelnen Menschen ein, sondern schafft auch ein Klima, das Menschen durch absprechen der eigenen geschlechtlichen Identität und Zuweisung eines der beiden normierten Geschlechter unterdrückt. Wir denken, dass Menschen sich nicht in die konstruierte Kategorie Geschlecht einteilen lassen und dass ihnen schon gar nicht bestimmte Eigenschaften auf Grund ihres biologischen Geschlechts zugewiesen werden können. Geschlecht ist konstruiert und wird einem Menschen von klein auf ansozialisiert. Daher wirkt die bipolare Einteilung als naturgegeben und wird nicht in Frage
gestellt. Gefährlich wird es, wenn aus der eigenen Identität eine offensive, wodurch schnell aggressive Abgrenzung zum Anderen entsteht und das eigene Geschlecht als überlegen angesehen wird. Ein ähnlicher Prozess wie bei der Identifikation mit der eigenen Nation. Männliches Dominanzdenken und -verhalten äußert sich auf den Fanmeilen und in den Kneipen darin, dass Menschen, die sich nicht als heterosexueller Mann definieren oder nicht als solcher gesehen werden, Raum genommen wird.
Entweder, weil sie sich in entsprechender Atmosphäre zurecht unwohl fühlen oder von sexistischen Sprüchen, bis hin zu gewalttätigen Übergriffen betroffen sind. Dieser Sexismus steht auch in den verschiedensten Situationen im Alltag an der Tagesordnung, doch tritt er bei diversen Events wie bei der jetzigen Fu0ball-WM auch durch Mackergehabe und Diskriminierung besonders auffallend hervor.

In diesem Sinne:
Gegen Macker und Sexisten – Fight the power, fight the system
Für die befreite Gesellschaft!