Stellungnahme des Platzverweis Bündnis zum Beitrag „Antideutsche grätschen gegen Strassenpatriotismus“ des Quer-Magazins im Bayerischen Rundfunk vom 08.07.2010

BR-Beitrag:

Fangen wir von vorne an: Der Bayerische Rundfunk schrieb uns (das Platzverweis Bündnis) über die auf dem Blog (http://platzverweis.tk) angegebene E-Mail Adresse an und fragte, ob wir bereit wären ein Interview zur aktuellen Männerfußball-WM Thematik für das Magazin „Quer“ () zu geben. Zur groben inhaltlichen Orientierung ließ man uns Fragen zukommen, wie z.B. „Was macht diesen Nationalismus aus“ oder „Seid ihr nur gegen Deutschland, oder findet ihr die ganze WM schlecht“. Wir entschlossen uns, das Interview-Angebot anzunehmen, da wir in der Beantwortung solcher Fragen eine Chance sahen, unsere Inhalte für eine größere Öffentlichkeit wahrnehmbar zu machen, als uns dies etwa durch die „Deutschland? Platzverweis! – Demo“ gelungen ist. Wir wissen um die stattfindenden Diskussionen um die „bürgerliche Presse“, die die hiesige radikale Linke führt, jedoch gab uns die Tatsache, dass der Beitrag im Magazin „Quer“ gesendet werden sollte Mut, da diese Sendung u.a. beschrieben wird, als: „[…] das politische, kritische, bayerische Magazin […] “

Soweit, so gut… Was letztendlich aus der ganzen Sache gemacht wurde ist mehr als traurig und legt die Vermutung nahe, dass wir (das Bündnis und der BR) unterschiedliche Auffassungen vom Begriff „politisch“ und „kritisch“ haben. Lediglich das Attribut „bayerisch“ würden wir für das Quer-Magazin zutreffend finden. Dementsprechend haben wir einiges richtig zu stellen.

Fangen wir an beim Titel: „Antideutsche grätschen gegen Strassenpatriotismus“. Dass wir als Antideutsche bezeichnet werden, trifft keinesfalls das Selbstverständnis, das wir uns gegeben haben (auch wenn es im Bündnis Personen geben mag die sich als antideutsch bezeichnen). So sind wir bei der Fußball-WM zwar erstmal gegen die DFB-Auswahl, weil wir uns eben momentan auf diesem Flecken Erde aufhalten und uns die nationalistische Welle eben hier in den Farben Schwarzrotgold trifft, jedoch geben wir uns selbst die Bezeichnung „antinational“, da wir jegliche Form des Nationalismus ablehnen. Warum? Das wird in den Aufrufen der „Autonomen Antifa Weilheim“, sowie des „AK Antinationale Provinz“ ausführlich erläutert. Schließlich verrät der Fernseh-Beitrag zu dieser Frage nichts, sondern lebt eher davon, das Platzverweis-Bündnis als Anti-Alles-Spinner abzustempeln.

Der nächste Punkt, bei dem wir fast vom Stuhl kippen, ist die Bezeichnung als „antinationale Fußballgegner“. Immerhin: Wir wandeln uns von „antideutsch“ zu „antinational“, aber wie die Redaktion darauf kommt uns „Fußballgegner“ zu nennen, wo beim Interview ganz klar gesagt wurde, dass wir keinesfalls „Fußballgegner_innen“ sind, sondern lediglich die Inszenierung eines Fußballturniers als nationales Großevent und die Reproduktion der heteronormativen Geschlechtereinteilung in Frau-Mann (siehe hierzu auch: Redebeitrag des AK Antinationale Provinz zu „Fußball und Sexismus“ , sowie „Sonne.Sommer.Männlichkeit“ im Aufruf der AAWM), sowie Mackergehabe innerhalb der Fangemeinschaften (siehe: „Sommer.Sonne.Ruhm&Ehre“ im Aufruf der AAWM) kritisieren, wissen wir nicht. Wir sind also gegen die nationalistische und (hetero-) sexistische Gesellschaft an sich, sehen aber, dass diese Unterdrückungsmechanismen im Fußball häufig reproduziert und meistens verstärkt werden und in den Mobs besoffener, gröhlender Männer oft einen besonders hässlichen Ausdruck finden.

Weiter geht’s mit der These, die Fußball WM wäre unpolitisch, was auch prompt durch Bilder belegt wird, wie Deutsche und Spanier vor dem Spiel (!) nebeneinander Fahnen schwenken, ohne überhaupt in irgendeiner weise auf die kurz (wir sind begeistert von ca. 10 Sekunden Inhalt!) genannten Argumente eingeht, dass die WM politisch sei und „[…] hinter dem schwarz rot goldenen Spaß, Ausgrenzung, Hass und Gewalt […] lauert“, sowie, dass die WM ausgrenzt und rassistische Klischees fördert, verstärkt und wieder salonfähig macht.

Nach dem Spiel wird, wieder unterlegt durch Bilder von nebeneinander geschwenkten Deutschland- und Spanien Flaggen, erleichtert konstatiert: „Gewaltausbrüche gibt es keine“. Wieder müssen wir feststellen, Differenzen mit dem BR in der Auslegung von Begriffen zu haben. Was ist denn „Gewalt“? Ist nur der deutsche Mob gewalttätig, der (wie in Berlin) den Hitlergruß zeigt und rassistische oder homophobe Angriffe startet? Wir denken: Nein! Wir würden es auch als Gewalt bezeichnen, wenn Menschen, die sich nicht dem nationalen Taumel hingeben schräg angeschaut werden, wenn Menschen aufgrund ihrer Identität ausgegrenzt werden oder wenn „zum Spaß“ frauenfeindliche oder rassistische Witze gerissen werden. Wir denken, wenn der BR es wollen würde, ließen sich gewalttätige Szenen auch in München finden. Die „Friedlichkeit“ mit einem kurzen Bildausschnitt gemeinsam feiernder Deutscher und Spanier zu belegen, ist hingegen leichter. Außerdem steht man nachher nicht als Nestbeschmutzer da. Was uns bei dieser Art der „Berichterstattung“ einmal mehr fehlt, ist der kritische Anspruch.

Am Ende ist da noch die Aussage: „Patriotisch sein und trotzdem fair – irgendwie passt das völlig problemlos zusammen. So gesehen hätte Deutschland wirklich noch eine Runde weiterkommen können“, die perfekt zum Rest des Beitrags passt. Dass Patriotismus niemals fair ist (zumindest nach dem, was wir unter „fair“ verstehen) wurde im Interview erläutert (und ist auch in den Aufrufen nachzulesen), aber wohl bewusst herausgeschnitten. Man könnte fast meinen, der Frust über die Niederlage der DFB-Auswahl saß noch zu tief, als dass eine objektive Berichterstattung über die Inhalte des Platzverweis Bündnis und eine kritische Auseinandersetzung mit dem WM-Patriotismus möglich gewesen wäre. Wir raten den Redakteur_innen vom Bayerischen Rundfunk, wenn sie ernsthaft den Anspruch haben, kritisch zu sein, sich das nächste mal tiefgehender mit den Menschen zu beschäftigen, deren Meinung sie meinen in ihren Beiträgen wiederzugeben, denn mit seriösem Journalismus hat das genauso wenig zu tun wie die WM mit einem „friedlichen Fest“.

für das Bündnis „Deutschland? Platzverweis!“ [AK Antinationale Provinz]


3 Antworten auf „Stellungnahme des Platzverweis Bündnis zum Beitrag „Antideutsche grätschen gegen Strassenpatriotismus“ des Quer-Magazins im Bayerischen Rundfunk vom 08.07.2010“


  1. 1 bukbu 13. Juli 2010 um 18:41 Uhr

    Und was glaubt ihr jetzt, wer wird den Beitrag hier lesen von den Leuten die den Bericht gesehen haben?… Die Leute die das hier lesen, stimmen wohl eh nicht mit dem Bericht überein..


    Anmerkung der Redaktion: Natürlich wird diese Stellungnahme den Großteil der Leute die den Bericht sehen nicht erreichen, dennoch haben wir seit dem Beitrag ettliche Klick´s via „google: bündnis platzverweis“, die Seite wird somit sehrwohl gelesen. Ausserdem wurde der Beitrag ja auch von Linken und nicht nur vom Deutschmob gesehen.

  2. 2 anonym 14. Juli 2010 um 18:34 Uhr

    Ich hoffe die Leute werden endlich mal wach und interessieren sich für diese durchaus wichtigen Themen. Im Fernseher wird die WM nur als Integrationserfolg dargestellt und weder Gewaltsszenen, noch die oben gegannten sexistischen Gesten u. Aussagen erwähnt.

  3. 3 house 25. Juli 2010 um 23:37 Uhr

    Ihr Menschen macht nen guten Job. Freut mich, dass es sowas in Oberbayern gibt.

    Trotzdem fand ich es etwas unvorsichtig von euch beim BR aufzutreten. Vor allem weil die Vermummung fehlte, is halt blöd wegen anti-antifa spinnern. Ansonten habt ihr aber eigentlich ganz gut abgeschnitten, im BR kommt man als Linker doch nie gut weg. Auch nich bei Herrn Süß.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.